
Eine Weihnachtsgeschichte ...
Als die Hirten längst fort waren und im Stall wieder Stille einkehrte, hob das Jesuskind den Kopf und blickte zur Tür. Dort stand ein Junge, ängstlich und schüchtern. „Komm' näher“, sagte das Kind sanft. „Warum hast Du Angst?“ „Weil ich Dir nichts mitgebracht habe“, antwortete der Junge leise.
„Aber ich hätte so gerne etwas von Dir“, sagte das Kind in der Krippe. Da wurde der Junge traurig. „Ich weiß nichts, ich habe nichts. Wenn ich etwas hätte, würde ich es Dir geben.“ Suchend griff er in die Taschen seiner alten Hose. „Hier ist ein Messer, das ich eben gefunden habe.“
„Nein“, sagte das Jesuskind, „behalte das Messer. Ich möchte etwas ganz anderes von Dir: drei Dinge.“ „Sehr gerne“, sagte der Junge, „aber was?“ „Schenk' mir Dein letztes Bild, das Du gemalt hast.“ Der Junge errötete. Ganz leise flüsterte er: „Aber das Bild war so schlecht, dass es niemand sehen wollte.“ „Genau deshalb“, sagte das Jesuskind, „gerade deshalb möchte ich es haben. Bring' mir immer alles, was andere an Dir nicht mögen, was in Deinem Leben keinen Platz zu haben scheint.“
Nach einer Weile sprach das Kind weiter: „Dann möchte ich Deinen Teller haben.“ „Aber ich habe ihn heute zerbrochen“, stammelte der Junge. „Genau deshalb möchte ich ihn haben“, antwortete das Jesuskind. „Bring' mir alles, was in Deinem Leben zerbrochen ist, damit ich es heilen kann.“
Schließlich sagte das Kind: „Und nun gib mir Deine Antwort an Deine Eltern, als sie dich fragten, warum Du den Teller zerbrochen hast.“ Der Junge senkte den Blick. „Ich sagte, er sei mir aus Versehen vom Tisch gefallen. Aber das war gelogen. In Wirklichkeit habe ich ihn wütend auf den Boden geworfen.“ „Das wollte ich wissen“, sagte das Jesuskind. „Bring' mir immer all das Böse in Deinem Leben, Deine Lügen und Ausflüchte, Deine Feigheit und Deine Grausamkeit. Ich werde sie Dir abnehmen. Du brauchst sie nicht mehr. Ich will Dir Mut schenken und Dir vergeben. Von heute an kannst Du jeden Tag zu mir kommen.“
Conclusio: Jesus bittet uns nicht um teure Geschenke, nicht um Erfolge oder gute Taten, sondern um das, was wir wirklich haben: unser Herz, mit allem, was darin unvollkommen ist.
(aus dem Pfarrmagazin Emmausbote Nr. 29/ Dez. 2025)
Lieber Leser, liebe Leserin, allen hier ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie ein gesundes und erfülltes 2026.